Vor kurzem erst ist mir wieder ein mittelständisches Unternehmen über den Weg gelaufen, dem ein anderer IBM Business Partner ein sogenanntes CEO Bundle für seine IBM Notes und Domino Lizenzierung angedreht hatte. Diese Vorgehensweise erinnert mich immer sehr an die "Knebel"-Enterprise-Agreements von Microsoft und macht mich ganz schön sauer!

Damit euch das nicht auch passiert und ihr immer die passende Lizenzierung für euer Unternehmen auswählen könnt, gebe ich euch im Folgenden eine detaillierte Übersicht über die drei unterschiedlichen Lizenzierungsformen für IBM Notes und Domino:

 

1. Client-Server-Lizenzierung:

Die universell einsetzbare Lizenzform für Notes und Domino bei der IBM ist die Client-Server-Lizenzierung. Hierbei werden Clients und Server getrennt von einander lizenziert. Ihr müsst also vor der Lizenzierung genau wissen, wie viele User die Software nutzen sollen und wie viele Server ihr aufsetzen möchtet (mehr zur Berechnung der Processor Value Units (PVUs) erfahrt ihr in Teil 2 des IBM Lizenzdschungels). Diese Lizenzierung unterliegt demnach auch den höchsten Schwankungen, denn, sobald ihr einen neuen Server aufsetzen wollt, müsst ihr neue Lizenzen kaufen.

Auch innerhalb der Client-Server-Lizenzierung gibt es unterschiedliche Lizenzen. Hier wird grundsätzlich zwischen der "Messaging"- und der "Enterprise"-Funktionalität unterschieden.

Auf der Client-Seite gibt es dementsprechend:

  • IBM Domino Messaging Client Access Licenses (CAL) (Listpreis 2013: 102,00 EUR)
  • IBM Domino Enterprise Client Access Licenses (CAL) (Listpreis 2013: 165,00 EUR)

Auf der Server-Seite gibt es: 

  • IBM Domino Messaging Server PVUs (Listpreis 2013: 18,47 EUR pro PVU, nicht pro Server!)
  • IBM Domino Enterprise Server PVUs (Listpreis 2013: 48,05 EUR pro PVU, nicht pro Server!)

Die "Messaging"-Lizenzen berechtigen zu folgenden Funktionen:

  • E-Mail
  • Kalender und Terminplanung
  • Kontakte
  • Notizen
  • Diskussionsdatenbanken
  • Dokumentenbibliotheken

Folgende Produkte sind Bestandteil einer IBM Domino Messaging CAL:

  • IBM Notes (Desktop Client)
  • IBM iNotes (Web Client)
  • IBM Notes Traveler (mobiler Client)
  • IBM Sametime Entry (Instant Messaging/Chat)
  • IBM Connections Files and Profiles
  • IBM Lotus Symphony (Open Source Officeanwendungen)

Die "Enterprise"-Lizenzen bereichern die "Messaging"-Funktionalitäten noch mit der Möglichkeit, auf Anwendungen (Client- oder Webanwendungen) zuzugreifen. Diese Anwendungen können entweder selbst entwickelt werden (mit Hilfe des IBM Domino Designer) oder von Drittanbietern erworben werden.

Folgende Produkte sind Bestandteil einer IBM Domino Enterprise CAL:

  • alle Produkte, die in der IBM Domino Messaging CAL enthalten sind
  • IBM Domino Designer
  • IBM Mobile Connect Client

Mit einem IBM Domino Enterprise Server kann man im Gegensatz zum Messaging Server zudem noch die Clustering-Funktion nutzen. Natürlich solltet ihr darauf achten, dass ihr die beiden unterschiedlichen Funktionen paarweise kauft, also immer die Messaging CAL zusammen mit dem Messaging Server, sowie die Enterprise CAL mit dem Enterprise Server. Eine Vermischung der Funktionen bringt rein gar nichts und ist nur teurer.

Nun genug von den Funktionen und zurück zur Lizenzform:

Wenn in eurem Unternehmen mehr als 1.000 Mitarbeiter arbeiten und das Verhältnis zwischen Usern und installierten Servern relativ hoch ist, ist diese Lizenzform genau das richtige. Wenn ihr z.B. 2.000 User und nur 4 Server lizenzieren müsst, lohnt sich nämlich ein CEO Bundle für euch noch nicht, es sei denn ihr wollt zukunftssicher agieren und geht davon aus, dass in Zukunft noch weitere Server hinzukommen. Wenn darüber hinaus auch noch viele User lediglich eine Messaging CAL und einen Messaging Server benötigen, ist die CEO Bundle Lizenzierung in den meisten Fällen ebenfalls viel zu überzogen.

Zudem ist auch nur mit dieser Lizenzierungsform die Kosteneinsparung durch die Sub-Capacity-Lizenzierung (siehe Teil 2 des IBM Lizenzdschungels) möglich. Da die drei unterschiedlichen Lizenzformen innerhalb einer Domino Domain nicht vermischt werden dürfen - d.h. ein User, der eine Client-Server-Lizenzierung hat darf z.B. nicht auf einen Express-Server zugreifen - ist die Client-Server-Lizenzierung auch geneignet für Unternehmen mit vielen Außenstellen oder Filialen, deren Mitarbeiter alle auf einen zentralen Server zugreifen sollen.

 

2. CEO Bundle:

Die bereits angesprochenen CEO Bundles sind auch laut IBM für große Unternehmen gedacht - kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern sollten also möglichst die Finger davon lassen. Für große Unternehmen ist das CEO Communications Bundle (Listpreis 2013: 259,00 EUR) die Rund-um-sorglos Lizenzierungsvariante für IBM Notes und Domino, da in ihr die folgenden Lizenzen enthalten sind:

  • IBM Domino Messaging CAL
  • IBM Domino Messaging Server
  • IBM Domino Enterprise CAL
  • IBM Domino Enterprise Server

Die Anzahl der Lizenzen, die ihr in dieser Lizenzform erwerben müsst, hängt nicht von der Anzahl der User ab, die tatsächlich mit dem Produkt arbeiten wollen. Die Lizenzierung erfolgt für sämtliche Mitarbeiter eures Unternehmens, die mit einem Arbeitsplatzrechner ausgestattet sind, der die Anforderungen für die entsprechenden Softwareprodukte des CEO Bundles erfüllt. Selbst Mitarbeiter, die beispielsweise nur mit einer speziellen Fachsbereichssoftware arbeiten, dementsprechend einen geeigneten PC haben, Notes und Domino aber gar nicht bräuchten, müssen lizenziert werden. Im Gegenzug könnt ihr aber prinzipiell so viele Server installieren wie ihr wollt, da die Lizenzierung sich nur nach der Anzahl der Mitarbeiter richtet.

Wenn das Verhältnis zwischen der Mitarbeiterzahl und der Anzahl an installierten Servern also nicht so hoch ist (z.B. 2.000 Mitarbeiter und 100 Server), macht es Sinn sich über die CEO Bundle Lizenzierung Gedanken zu machen. Außerdem erspart ihr euch den lästigen Nachkauf von Lizenzen, jedes Mal wenn ihr einen neuen Server aufsetzt. Allerdings sind diese CEO Bundle Lizenzen entsprechend ihres Produktumfangs teurer als die anderen beiden Lizenzvarianten und haben eine Mindestabnahmezahl von 100 Lizenzen.

 

3. Express-Lizenzierung

Für kleine Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern ist daher die Express-Lizenzierung die geeignetste Variante. Hier gibt es ebenfalls die Unterscheidung der beiden Funktionalitäten, nur dass die "Enterprise"-Lizenz hier "Collaboration"-Lizenz heißt.

Die Lizenzform war früher mit sehr vielen Einschränkungen gegenüber der Client-Server-Lizenzierung versehen (Collaboration Express enthielt beispielsweise keine Cluster-Funktionalität und keinen Domino Designer), die aber im Laufe der Jahre alle nacheinander aufgehoben wurden. So ist die einzige Einschränkung der Express-Lizenzierung noch die, dass nur Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern diese Lizenzform nutzen dürfen.

Auch hier werden nicht beide Komponenten der Software (Client und Server) lizenziert, die Lizenzierung richtet sich stattdessen wieder nach der Anzahl der User. Im Gegensatz zur CEO Bundle Lizenzierung müssen hierbei aber nur die Mitarbeiter lizenziert werden, die auch wirklich die Software benutzen. Diese Anzahl der User hat aber nichts mit der Einschränkung auf 1.000 Mitarbeiter zu tun. Ihr dürft also nicht für euer Unternehmen 999 User mit Express Lizenzen ausstatten, wenn ihr eigentlich 2.000 Mitarbeiter habt. Wenn ihr aber von euren max. 1.000 Mitarbeitern 500 mit einer IBM Domino Messaging Express Lizenz (Listpreis 2013: 108,00 EUR) ausstattet, dürft ihr auch prinzipiell 500 IBM Domino Messaging Server aufsetzen. Das Gleiche gilt ebenfalls für die IBM Domino Collaboration Express Lizenz (Listpreis 2013: 161,00 EUR) nur dass es hier egal ist, ob ihr 500 Enterprise oder Messaging Server aufsetzt. Damit spart ihr euch gegenüber der Client-Server-Lizenzierung - bei einem vergleichbaren Preis für die Clients - die Kosten für eure gesamte Domino-Serverlandschaft.

Für kleine und mittelständische Unternehmen empfehlen wir daher immer zuerst die Express-Lizenzierung, denn selbst, wenn euer Unternehmen in ein paar Jahren über die 1.000-Mitarbeitergrenze kommen sollte, gibt es immer noch die sogenannten Trade-Up-Lizenzen, die es euch ermöglichen, mit geringeren Kosten von einer Lizenzform zur anderen zu wechseln. Das Thema behandeln wir aber im nächsten Abstecher in den IBM Lizenzdschungel.

Ich hoffe, dass ich euch mit dieser Übersicht wieder ein bisschen mehr Licht in den IBM Lizenzdschungel bringen konnte. Wenn ihr dennoch Lizenz-Szenarien habt, bei denen ihr euch nicht sicher seid, welche Form am besten geeignet ist, oder ihr einfach ein konkretes Angebot braucht, ruft uns bitte einfach an 05251 288160 oder schreibt uns eine Mail info@itwu.de.

 

 

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